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Hamburger Morgenpost, 20. April 2007
Bonanza-Solo für Beckmann!
Lampenfieber, kleine Patzer und viel Pathos wie der ARD-Moderator sein Stimm-Debüt in der Laeiszhalle gab
Babbeln, das könne er ja super, aber vor dem Singen hatte Reinhold Beckmann (51) schon beim Betreten der altehrwürdigen Laeiszhalle großen Bammel. Und prompt rauschten dem ansonsten so souveränen ARD-Talker auf der Bühne zu Beginn auch noch die Notenzettel vom Pult. Nur eine kleine Panne. Puh! Kein Wunder aber dieses Muffensausen, schließlich war der gestrige Abend für den geistreichen Moderator kein gewohntes Plauderstündchen im Studio, sondern seine stimmgewaltige Premiere bei der Gala der schönsten Fernsehmelodien vor halb ausverkauftem Haus.
Bild Hamburg, 13.April.2007
Achtung! Erkennen Sie die Melodie?
Dinge-ding-ding-ding, dinge-ding-ding-ding, da-da-daaaa! Richtig! Bonanza!! So beginnt die schmissige Titelmelodie der TV-Kultserie (426 Folgen) jetzt gesungen von einem TV-Moderator. Sportmoderator und Talkmaster Reinhold Beckmann sattelt die Stimmbänder und wagt sich ans Mikro bei der Gala der schönsten Fernsehmelodien am 18. April in der Laeiszhalle. Beckmann: Die Gefahr, einen falschen Ton von mir zu hören, ist groß. Das St. Pauli-Kurorchester spielt zu den schönsten TV-Evergreens auf.
Dirigent Christian Willner: Wir haben von 'Star Trek' bis 'Traumschiff' alles dabei. Zum 33-Mann-Orchester treten u.a. Kim Fisher, Thomas Hermanns und Texas Lightning auf die Bühne. Wird also ein lustiger Abend. Zumal die kultige Frau Emmi moderiert. Im wahren Comedy-Leben ist Dirigent Willner nämlich Emmis Bühnenpartner Herr Willnowsky.
Und wann kann man schon mal einen singenden Reinhold Beckmann (In meinem nächsten Leben werd' ich Musiker) erleben?
Die Welt, 15. März 2007
Endlich! Ein Fernsehabend ohne Glotze
Normalerweise sind Christian Willner und Christoph Dompke das Duo „Emmi und Herr Willnowsky“ und treiben im Quatsch Comedy Club und im Schmidt Theater ihre Scherze. Und sie sind Dirigent und Conferencier des 32-köpfigen, mit Violinen, Klarinetten, Flöten, Hörnern, Trompeten und Posaunen, Gitarre, Klavier und Schlagzeug besetzten St. Pauli Kurorchesters. Für ein Konzert am 18. April probt das Orchester „ Die Gala der schönsten Fernsehmelodien “. Zum Repertoire sagt Christian Willner: „Wir haben mit Operette und Musical begonnen, später kam immer öfter Filmmusik hinzu. Nun wollen wir der in den 80er Jahren groß gewordenen Generation etwas bieten. Die ist nicht mit den 'Capri-Fischern' oder dem Wolgalied aufgewachsen, sondern mit Derrick, Dallas oder Denver Clan.“ Ein Schatzkästlein der Melodien wird versprochen und etwas Nostalgie – ach, damals in den Sechzigern und ein bisschen danach, als noch die ganze Familie vor dem Fernseher saß.
Sollte man nicht eher froh sein, dass diese Zeiten vorbei sind? „Nein!“ ruft Willners Mitstreiter Christoph Dompke: „Raumschiff Enterprise war doch toll, trotz der schrecklichen Pappkulissen, in denen das spielte. Was zählte, war die Regelmäßigkeit, der solide Wiedererkennungswert, verbunden mit einem sehr sehr hohen Wohlfühlfaktor.“ Zugleich diagnostiziert er, Sendungen wie „Einer wird gewinnen“ oder später „Der große Preis“ hätten der damals noch recht jungen Bundesrepublik zu mehr Stabilität verholfen: „Viele dieser Shows haben Glanz und Glamour in die Reihenhaussiedlung gebracht.“ Und er bekennt: „Ich fand Gisela Schlüter mit ihrer 'Zwischenmahlzeit' richtig lustig; ich fand auch Anneliese Rothenberger glamourös und habe immer 'Erkennen Sie die Melodie' geguckt. Heute kann man ja kaum noch jemandem vermitteln, dass Millionen Zuschauer zusahen, wie die TV-Kandidaten errieten, in welcher Kulisse welche Melodie gespielt wurde.“
Auch für Willner ist die Kraft aus jenen Tagen noch präsent: „Einige dieser Serien waren Inseln im Alltag. Kam ich Dienstagsabends vom Schulchor, gab es nur eine Frage: Mach ich jetzt Hausaufgaben oder schau' ich lieber 'Dallas'?“ Man kann sich denken, wie diese Frage Woche für Woche beantwortet wurde. Ein Happening soll es also werden; einen Erlebnisraum will das Kurorchester bieten, ein waschechtes Unterhaltungskonzert geben, getragen vom Spaß am Schrillen, am Komischen und mit Lust an Zwischentönen. So wie sich Dompke an ein passendes Schlüsselerlebnis erinnert: „Meine erste Musikkassette war ein Zusammenschnitt berühmter Ouvertüren – eingespielt von James Last. Jede Ouvertüre drei Minuten lang. Ich war ganz schön überrascht, als ich dann das erste Mal in der Oper war und die Stücke doch sehr anders klangen.“
Aus diesem Zusammenprall der Kulturen speist sich ihr Engagement, getragen von der Lust an der Karikatur des schlechten Geschmacks, aber auch getrieben von der Sehnsucht nach einer Unterhaltungskultur, in der Ernst und Spaß zugleich vorkommen dürfen. Wobei die beiden wieder beim Thema Filmmusik sind. Christoph Dompke: „Stell Dir vor, bei einem sinfonischen Konzert gibt es als Abschluss das Wüstenthema aus 'Lawrence von Arabien'. Da wäre doch hierzulande die Aufregung groß. Wenn in Mailand dagegen Riccardo Muti als Zugabe die Titelmelodie aus 'Der Pate' dirigiert, stört sich niemand daran – es sei denn, sie wird schlecht gespielt.“
Und so gehen sie für diesen kommenden Abend raus aus der Comedy-Ecke, verlassen den sicheren Hafen des Schmidt-Theaters, wandern hinüber in eine der Stätten der Hochkultur, wo nicht wenige Besucher ein letztes Mal verlegen hüsteln und sich kerzengerade aufsetzen, wenn der erste Ton erklingt. Christoph Dompke freut sich besonders auf ein Medley mit Titelmusiken einstiger Kinderserien. Da gab es doch damals diese Serie nach dem Erfolgsbuch „Nils Holgersson“, dessen lauthals gesungene Titelmelodie mit noch weniger Worten auskam, als weiland
„Fly Robin, Fly“ von der einstigen Discoformation ... tja, wie hieß die noch gleich?
18. April, 20 Uhr, Laeiszhalle
Kölner Rundschau, 19.10.2004
Von den Tränen der Kammersängerinnen
Der „Quatsch Comedy Club“ wagte sich mit großem Orchester in die Philharmonie
Komisch sein ist ihnen nicht genug. Ihre musikalischen Talente möchten sie auch noch unter Beweis stellen. Und so startete Thomas Hermanns als krönenden Abschluß des Köln Comedy-Festivals einen besonderen Coup: er scharte um sich, was in der Szene einen Namen und einigermaßen Stimme hat und präsentierte das ganze in der Philharmonie unter dem Titel „Comedy in Concert“.
Als „reines obszönes Lustprojekt“ und „Therapie einer Suchtgruppe“ kündigte Hermanns dieses einmalige Ergeignis an. Das 30-köpfige „St. Pauli-Kurorchester“ unter der Stabführung von Christian Willner gab den Möchtegern-Pavarottis und -Soul-Diven massive Rückendeckung und profilierte sich mit schrecklich-schönen Variationen über „Mit 17 hat man noch Träume“.
Hamburger Morgenpost, 27.11.2003
Schmalztopf für die Seele Im Schmidts Tivoli gefeiert: Das St. Pauli Kurorchester
Immer schon haben Komiker gern den Berufsstand des Dirigenten parodiert – das ist bei Christian Willner nicht anders. Jedoch mit dem kleinen Unterschied, dass er zudem tatsächlich einen Klangkörper durch ein abendfüllendes Konzert führen kann – vortrefflich sogar. Streichzart wie Butter folgte ihm das St. Pauli Kurorchester beim traditionellen Konzert im Schmidts Tivoli. Das Theater-Rondell am Spielbudenplatz glich einem Schmalztopf für die Seele.
Nach den Titelmelodien aus „Miss Marple“ und „Mission Impossible“ strömten heiße Töne aus warmen Kehlen: Ole Lehmann heizte mit dem Bond-Song „Nobody does it better“ und Thomas Hermanns heizte mit „Love is in the air“ an, bevor Kleinkunst-Domina Emmi und Musical-Sopranistin Kira Primke im Duett „Enough is Enough“ aufeinander trafen. Die Stimmbänder der Hölle forderten die des Himmels zum Duell. Und das war Emmi noch lange nicht ‚enough‘. Unter einem monströsen Strohhut bot sie reibeisern, jedoch in völliger Hingabe „Moonriver“.
hinnerk 11/03
Herr Willnowsky kann auch anders
Zum Beispiel ein Orchester dirigieren. Mit seinem St. Pauli Kurorchester gibt er im Tivoli zusammen mit illustren Gästen eines seiner raren Konzerte
Ein klavierspielender exilrussischer Lohnsklave der herrischen Dame Emmi – so kennen ihn wohl die meisten. Doch Valentin Willnowsky ist eben nur eine Bühnenfigur – Christian Willner kann auch ganz anders. 1996 hatte der damalige Musikwissenschaftler als Tutor einen Studenten namens Christoph Dompke betreut. Nur wenig später schon war das Musik-Comedy-Duo Emmi und Herr Willnowsky geboren. Willner hat sein Studium aufgegeben. „Ich war einfach nie ehrgeizig“, sagt er und meint das keineswegs entschuldigend. Viel wichtiger ist für ihn, etwas mit Leidenschaft zu tun. Und manche Leidenschaft wird bereits in frühester Kindheit geweckt, zum Beispiel bei den alljährlichen Familienurlauben auf Norderney. „Ich war der einzige Idiot, der bei strömendem Regen vor dem Kurorchester saß und völlig fasziniert zusah und zuhörte. Die berufliche Zukunft hatte ein konkretes Ziel: Kapitän oder Dirigent.
Kapitän ist Willner nicht geworden, dafür dirigiert er den Hamburger Lotsenchor – und das von ihm gegründete St. Pauli Kurorchester. Was die preisgünstigen Musiker damals auf Norderney leisteten – dem Urlauber die Gassenhauer aus Operette und Klassik zum Besten zu geben – will er für ein junges Publikum mit einem ureigenen Repertoire leisten. Statt Operette sind es nun Fernsehtitelmelodien von „Derrick“ bis „Miss Marple“ wie auch Filmmusik von „James Bond“ bis „Titanic“. Zwei Dutzend Musiker, Profis aus verschiedenen Orchestern von Hamburg bis Schwerin, aber auch Juristen und Mediziner, die nebenbei auch noch perfekt eine Instrument beherrschen – trommelt Willner für die seltenen Auftritte zusammen.
Hamburger Morgenpost, 19.11.03
Wie in einer großen Samstagabend-Show
Das St. Pauli Kurorchester unter „Herrn Willnowsky“
Seit einigen Jahren schon trägt der kleine, russische Pianist Willnowsky an einem grausamen Schicksal: Er muß sich von Frau Emmi, der großen, alten Domina der Kleinkunst, erniedrigen lassen – im Bett und auf der Bühne. Andernfalls würde sie ich umgehend der Ausländerbehörde melden. Auch wenn dies den Augen von Amnesty International bisher entgangen ist, das 25-köpfige St. Pauli Kurorchester hat ihn aus Emmis Fängen befreit und zu einem Dirigenten gemacht – jedoch nur zeitweise und unter anderem Namen: Wann immer Willnowsky sich ans Pult der Kiez-Kapelle schwingt, legt er seine russische Bühnenidentität ab und heißt dann Christian Willner, seines Zeichens Komödiant, Pianist, Dirigent, Autodidakt und Leiter des Hamburger Lotsenchores. Dass Frau Emmi sich auch in diesem Jahr wieder bei dem schon traditionellen Konzert seines Orchesters im Tivoli einen Auftritt erzwingt war unvermeidbar – aus den bereits genannten Gründen. Neben den beiden Sängern Kira Primke und Ole Lehmann werden sich auch Pro7-Moderator Thomas Hermanns und Telekom-Fee Enie van de Meiklockjes als Goldkehlchen versuchen – mit Melodien aus Film, Funk und Fernsehen: „Alles soll so sein wie in einer großen Samstagabend-Show von früher, aber mit modernerer Musik, die wir mögen“, erklärt Willner das Konzept. „Statt der ‚Capri-Fischer‘ bringen wir ‚Je t’aime‘.“ „Zuviel nachdenken kann den Spaß schnell verderben – ich bin ein Augenblicks-Mensch“, versucht der charmante Maestro die Zusammensetzung zu erklären. Und dann lächelt er und seine Augen strahlen wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum. Die größte Freude ist für ihn das Teamwork mit anderen Künstlern, bei dem jeder seine Energie einbringt – die Solistenrolle liegt ihm weder als Komiker noch als Musiker: „Heutzutage wird ein unglaublicher Starrummel um Regisseur oder Dirigenten gemacht, über die Leistung des Ensembles auf der Bühne spricht keiner – das ist doch Quatsch, es geht nur gemeinsam.“
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